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Tourismus - 4 blaue Bäume, Pferdekutsche, Kind im Freibad
 

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Vereins-News

Am Rande der Todeszone

Artikel vom 23.07.2011

Über unsere diesjährige Hilfsfahrt nach Belarus hat unser Reisebegleiter Uwe Ade am 15.06.2011 nachfolgenden Bericht in der Südwest Presse veröffentlicht den wir Ihnen hier (mit seiner Genehmigung) zur Information über diese Reise bekannt geben.

Bei dieser Gelegenheit bedanken wir uns auch bei allen Spenderinnen und Spendern für ihre Hilfe. Dankbar und mit großer Freude wurde sie in Belarus angenommen. 

Evtl. kann Sie dieser Bericht anregen uns künftig auch zu unterstützen.

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Der Verein "Kinder in Tschernobyl" aus Pfalzgrafenweiler hilft seit Jahren in Weißrussland.         Von Uwe Ade.

Hilfsgüter im Wert von etlichen Tausend Euro verteilte der Verein "Kinder in Tschernobyl" aus Pfalzgrafenweiler vergangene Woche. Fünf Vertreter waren in Weißrussland und kauften vor Ort für die im letzten Jahr eingegangen Spenden Waren für bedürftige Einrichtungen.

Pfalzgrafenweilers Alt-Bürgermeister und Vereinsvorsitzender Dietrich Galsterer flog zusammen mit HGV-Vorsitzenden Josef Schiebel, dem Vorsitzenden des Partenerschaftskomitees La Loupe, Dieter Lutz, sowie Karl Theurer und Uwe Ade von Stuttgart über Wien nach Belarus. Während des Aufenthalts wurden sie von der Dolmetscherin Olga Seregina begleitet. Bei kontinenaleuropäischem Klima schwitzten die Besucher während ihres Aufenthalts bei täglich um 30 Grad Celsius.

25 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl ist die verseuchte Gegend, in der früher ganze Dörfer waren, immer noch gesperrt. Das Bild zeigt von links: HGV-Vorsitzender Josef Schiebel, Karl Theurer, Dieter Lutz, Uwe Ade und Dietrich Galsterer. Bilder: lia
25 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl ist die verseuchte Gegend, in der früher ganze Dörfer waren, immer noch gesperrt. Das Bild zeigt von links: HGV-Vorsitzender Josef Schiebel, Karl Theurer, Dieter Lutz, Uwe Ade und Dietrich Galsterer. Bilder: lia

Große Gastfreundlichkeit, malerische Landschaften, unberührte Natur, aber auch den krassen Gegensatz der ländlichen Gegend zum europäischem Flair in der Hauptstadt Minsk erlebten die Besucher im 9,5 Millionen Einwohner zählenden Land.

Neben Waisenkindern in Rudensk wurde auch eine Schule und eine Sportstätte im ländlichen Gebiet, 300 Kilometer östlich an der russischen Grenze in der Nähe der Stadt Mogilew, dem Heimatgebiet des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko, besucht. Dort verbrachte die Gruppe die ersten Tage am Rande der Kreisstadt Slawgorod (7000 Einwohner) im am meisten von der Tschernobyl-Katastrophe verseuchten Gebiet. Im gesamten Außengebiet von Slawgorod wie auch auf dem Weg von Minsk entlang der Straße fielen überall die kleinen Holzhäuser mit Zäunen, ungeteerten Wegen und Straßen auf - ähnlich bei uns in den 50er Jahren.

Symbolische Friedhof: die Gedenkstätte für die wegen der Strahlenbelastung abgerissenen Dörfer in der Kreisstadt Slawgorod.
Symbolische Friedhof: die Gedenkstätte für die wegen der Strahlenbelastung abgerissenen Dörfer in der Kreisstadt Slawgorod.

Seit 2005 wird die Schule in Gischenka, in der übrigens auch Deutsch auf dem Stundenplan steht, unterstützt. Ob PC-Einrichtungen, neue Tafeln, Farben und Lacke fürs Gebäude oder Sportgeräte und Inventar - dem Schulzentrum Gischenka, das am Rande der "Todeszone" liegt, wurde schon viel geholfen. Als Dank gab es zusammen mit den Lehrkräften einen Grillnachmittag. Zum Glück waren die Besucher vorgewarnt und hatten sich mit Mittel gegen Stechmücken versorgt. Trotzdem gab es etliche Juckende Stiche.

Mit 93 Jahren lebt Ksenia, die Mutter von Dolmetscherin Olga, allein in einem kleinen Holzhaus. Sie war früher Försterin.
Mit 93 Jahren lebt Ksenia, die Mutter von Dolmetscherin Olga, allein in einem kleinen Holzhaus. Sie war früher Försterin.

Außerdem wurde die gesperrte Zone besichtigt. Eine teilweise landwirtschaftliche Nutzung wird erst seit kurzem dort wieder zugelassen. Makaber erscheint an manchen Stellen die Kombination des Warnschilds für die atomare Strahlenbelastung und direkt dahinter Getreide oder Rapsfelder. Es war das am meisten betroffene Gebiet von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vor 25 Jahren. Etliche Dörfer wurden nach dem GAU abgerissen. Büsche, Bäume und Wildnis prägen heute diese ehemaligen Wohngebiete. Die Menschen zogen überwiegend in die Kreisstadt Slawgorod. Dort gibt es für die Dörfer eine Art Friedhof - für jedes abgerissene Dort steht ein Gedenkstein. Etwa die Hälfte der Menschen in der Kreisstadt arbeitet laut Dolmetscherin Olga bei der Kreisverwaltung, der Rest als Lehrer an den Schulen und bei der Miliz.

Ein Wahrzeichen des Kreises Slawgorod ist die russisch-orthodoxe Kirche in Lesnaja, die im militärischen Stil errichtet worden ist.
Ein Wahrzeichen des Kreises Slawgorod ist die russisch-orthodoxe Kirche in Lesnaja, die im militärischen Stil errichtet worden ist.
Im staatlich geführten Laden in einem Vorort von Slawgorod ist Olga, die Kusine der Dolmetscherin der Weilermer Gruppe Verkäuferin.
Im staatlich geführten Laden in einem Vorort von Slawgorod ist Olga, die Kusine der Dolmetscherin der Weilermer Gruppe Verkäuferin.

Für die letzten Tage gab es einen Umstieg - vom Leben in ärmlicher Behausung auf dem Land ging es für die Gruppe in ein Hotel in der belarussischen Hauptstadt Minsk. Dort wurden die Behinderten - Tagesstätte "Offene Tür", in der Kinder mit einem Down-Syndrom betreut werden, und ein Waisenhaus und Sonderschul-Internat in Rudensk besucht und beschenkt. Um die 100 Waisen und Kinder, deren Eltern das Sorgerecht (meist wegen Alkoholproblemen) entzogen wurden, leben im Waisenhaus. Neben Schule und Ausbildung bewirtschaften die Kinder zusammen mit den Lehrern eine Zirka 50 Hektar große Landwirtschaft überwiegend zum Eigenbedarf. Ein Teil der Erzeugnisse wird auf den Märkten der Umgebung verkauft.

Parks, Grünanlagen und Seen stehen als gut eingerichtete Naherholungsorte für Einwohner und Gäste in Minsk zur Verfügung. Auffallend zudem, dass an allen Ecken gebaut wird - architektonisch schön gestaltete Hochhäuser für Geschäfte und Wohnungen sind in der Millionenstadt im Entstehen. Problem ist derzeit die große Inflation - in den letzten Wochen wurden viele Preise (Brot und Wodka ausgenommen) teilweise mehr als verdoppelt. Der Durchschnittslohn in Weißrussland liegt momentan bei 200 Euro - an unterster Stelle dabei Lehrer mit unter 100 Euro, mit am Besten bezahlt sind die Angestellten der Miliz.

Bei fast jedem Essen dabei waren Pilze und Kartoffeln als ein untrennbarer Bestandteil der belarussischen Küche. "Wir werden die Bulbascha (Kartoffelleute) genannt", erzählte Dolmetscherin Olga. In Belarus wurden schon immer viele Kartoffeln angepflanzt und gegessen. Das ist im ländlichen Gebiet ersichtlich - vor oder neben vielen der Holzhäuser ist neben dem Kräutergarten ein Kartoffelacker.

Ein kultureller Höhepunkt war der Besuch im neu renovierten staatlichen Zirkus in Minsk - dort verfolgten die Gäste auf Einladung der Direktorin das Programm von der Ehrenloge aus. Mit dabei war Boris, der Leiter des Minsker Gorki-Theaters, einem von über 30 Theatern, die es in Minsk gibt.

Als weiters folgte ein Treffen auf der Datscha der früheren Dometscherin Laryssa. Rund 30 Prozent der Minsker Einwohner haben solche Datschen rund um die Stadt. Es sind ganze Siedlungen mit kleineren Häuschen mit Garten. Daort traf man auch auf die bekannte weißrussische Folkor- und Gesangsgruppe "Kressiwa" die schon in Pfalzgrafenweiler auftrat.

Alles verlief reibungslos. Bis auf den Koffer von Dieter Lutz - dieser war bei der Ankunft in Stuttgart nich mehr da. Er war beim Zwischenstopp in Wien nicht ins Flugzeug umgeladen worden und wird nachgeliefert.

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